| Google: "Don't be evil?" |
| 2010/03/24 |
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Google hat seine Suchmaschine www.google.cn in chinesischer Sprache gestoppt und die Nutzer zu seinen Servern in Hong Kong umgeleitet. Der Konzern könnte im Westen Applaus gewinnen, seinem Motto gemäß "don't be evil", da er sich geweigert hat, Suchergebnisse auf www.google.cn zu zensieren. Mit der Aussage, dass das Internet ein Ort ist, an dem Informationen ohne jegliche Einschränkungen frei fließen sollten, stellt sich Google als Engel im Cyberspace dar. Doch die Handlungen und Aussagen des Unternehmens zeigen Verantwortungslosigkeit. Keiner kann die Tatsache leugnen, dass das Internet für das Leben der Menschen viel Gutes tut. Es hat die Art und Weise, wie Menschen miteinander kommunizieren grundlegend verändert. Allerdings ist es auch zu einer Brutstätte vulgärer und schädlicher Informationen geworden, wie Kinderpornographie und Terrorismus, was eine behutsame Zensur erfordert. Es ist Aufgabe der Regierung, relevante Regelungen gegen die Verbreitung dieser vulgären und schädlichen Informationen einzuführen, obwohl die Regierungen sicherlich unterschiedliche Auffassungen darüber vertreten, wie weit die Zensur gehen sollte. Es sollte Pflicht jeder Organisation oder jeder Einzelperson sein, vor jeder Veröffentlichung einer Information den Inhalt zu prüfen. Am 4. März griff ein Blogger auf der Webseite des Wall Street Journals eine chinesische Tageszeitung an, weil sie einen "vulgären" Artikel eines italienischen Kolumnisten mit "zahlreichen fremdenfeindlichen Stereotypen, Sexismus, Quatsch und Gossensprache" veröffentlichte. Am Ende des Blogs schlug der Autor vor, "vielleicht sollte jemand die Kolumne lesen, bevor sie in Druck geht", und wies darauf hin, dass man sich hätte bemühen können, den Abdruck zu verhindern. Nach einigem Drängen sah es so aus, als ob die Geschichte des italienischen Kolumnisten, die dem Blogger zufolge "zum Ziel hatte, fast jeden zu beleidigen", von der Webseite gelöscht wurde. Es scheint einfacher zu sein, Medieninhalte zu überprüfen, solange sie noch nachvollziehbar sind. Doch die beliebten, von Internetnutzern generierten Inhalte zu überprüfen ist eine schwere Aufgabe, die die Zusammenarbeit der Internetunternehmen erfordert. Google versagte bei seiner Pflicht, das Hochladen eines Videos aus dem Jahr 2006 zu verhindern, dass den Missbrauch eines autistischen Jugendlichen in Italien zeigte. Ein Gericht in Mailand verurteilte später drei Google Führungskräfte wegen Verletzung der Privatsphäre. Google verteidigte sich mit dem Hinweis, dass die Angeklagten das Video nicht gefilmt, nicht hochgeladen und nicht geprüft hätten und deshalb nicht zur Verantwortung gezogen werden könnten. Das könnte eine gängige Entschuldigung für Google werden, womit das Unternehmen künftig alle Anschuldigungen abwehrt. Viacom geht derzeit wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Urheberrecht gerichtlich gegen das Google-Unternehmen YouTube vor. Die Webseite wird beschuldigt, das Hochladen von urheberrechtlich geschützten Videos erlaubt zu haben. Von Viacom zur Verfügung gestellte Gerichtsunterlagen zeigten, dass YouTube Manager geklaute urhebergeschützte Videos vorsätzlich auf der Seite duldeten. Diese Beispiele zeigen, dass Google nicht das "don’t be evil" Unternehmen ist das es vorgibt. Es scheint, als ob das Unternehmen glaubt, dass das Angebot einer Suchmaschine im virtuellen Raum dem Bau einer Schnellstraße ähnelt: Das Unternehmen ist nicht verantwortlich für das, was auf der Straße geschieht. Mit diesem Glauben beziehungsweise dieser Entschuldigung zieht sich Google aus der Verantwortung, wenn es um den Kampf gegen schädliche Informationen und Verstöße gegen das Urheberrecht geht. Dazu gehören auch die "gewilderten Medieninhalte", derer sich die Suchmaschine bedient und über die sich Rupert Murdoch einmal beschwert hat. In Bezug auf Innovationen mag Google eines der besten Unternehmen der Welt sein, doch nicht was Verantwortungsgefühl betrifft. Manchmal ist man böse durch Nicht-Handeln. |